14.07.2004 

Axpo – die führende Schweizer Energiegruppe

Modernste Warnanlage – mehr Sicherheit im alten Aarelauf

Die Freizeitaktivitäten in den Gewässern haben stark zugenommen. Mit einer neu entwickelten
optisch-akustischen Warnanlage verstärken die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK) ihr Sicherheitsdispositiv am alten Aarelauf beim Kraftwerk Wildegg-Brugg.

 

Beim Aufenthalt in Bach- und Flussbetten im Bereich von Kraftwerken setzen sich die Menschen bewusst oder unbewusst, oft auch aus Unvorsichtigkeit, unnötigen Gefahren aus. Die NOK als Betreiberin zahlreicher Wasserkraftwerke haben grosses Interesse, die Öffentlichkeit über mögliche Gefahren zu informieren.

Neu: 3 x Sirenenton und Warnmeldung

Bisher warnten eine Blinkleuchte und ein kleineres Horn am Hilfswehr des Kraftwerkes Wildegg-Brugg vor dem steigenden Wasser im alten Aarelauf. Deren Reichweite erwies sich wegen des Tageslichtes und der Umgebungsgeräusche als ungenügende Ergänzung zu den bestehenden Warntafeln. Die NOK wollen aber die Sicherheit der Erholungssuchenden in und am Flussbett deutlich erhöhen. Zusammen mit einer Spezialfirma entwickelten sie ein neues, wirksameres Warnsystem. Diese Pilotanlage besteht aus zwei
netzunabhängigen Anlagen mit starkem Blinklicht und Lautsprechern: Eine beim Hilfswehr und eine rund 1,5 km weiter unten auf der linken Flussseite. Sie verbreiten in drei Intervallen einen weithin hörbaren Sirenenton von 20 Sekunden Dauer, gefolgt jeweils von der Warnung «Achtung Hochwasser – bitte Flussbett verlassen!». Der durchdringende Ton von 550 Hertz übertrifft die üblichen Umgebungsgeräusche deutlich und ist auf dem ganzen gefährdeten Flussabschnitt von rund zwei Kilometern Länge zu hören. Nach erfolgreichen Tests wurde die Anlage am 14. Juli durch das Baudepartement des Kantons Aargau, Abteilung Landschaft & Gewässer, offiziell abgenommen.

Wie an allen Bach- und Flussläufen im Einzugsgebiet von Kraftwerken stehen auch entlang des alten Aarebettes beim Kraftwerk Wildegg-Brugg zahlreiche Warntafeln. Diese weisen auf die Gefahr eines unvermittelten Anstiegs des Wasserabflusses im Flussbett auch bei schönem Wetter hin. Nur werden sie erfahrungsgemäss zu wenig beachtet, die möglichen Gefahren durch schnell steigendes Wasser negiert. Das führt immer wieder zu unangenehmen oder gefährlichen Situationen. Falls eine oder beide Turbinen im nahen Kraftwerk aus technischen Gründen unvermittelt abgestellt werden müssen, öffnen sich die Wehre zum alten Aarebett hin, weil das von der Aare zufliessende Wasser nicht gestaut werden kann. Dann strömen innert kurzer Zeit 200 oder gar 400 m3 Wasser pro Sekunde durch den alten Aarelauf. Im Normalfall sind das lediglich 10 m3/Sekunde, was der gesetzlich vorgeschriebenen Restwassermenge entspricht. Die als Picknickplätze beliebten Kiesinseln können plötzlich nicht mehr verlassen werden oder werden gar überschwemmt. Üblicherweise ist das Wasser in diesem Abschnitt nur knietief. Unverhoffte Hochwasser können aber auch durch weit entfernte Wettereinflüsse auftreten. Übersteigt diese zusätzliche Wassermenge das Schluckvermögen der Turbinen, öffnen sich die Wehre im nötigen Umfang. Das ermöglicht den Weiterbetrieb des Kraftwerkes, lässt im alten Aarelauf aber ebenfalls das Wasser ansteigen.

Das Abstellen einer oder beider Turbinen-Generatoren-Gruppen kann aus technischen Gründen jederzeit notwendig werden. Trotz aufwändigem Unterhalt und sorgfältiger Überwachung können unverhofft sowohl an mechanischen Teilen wie im elektrotechnischen Teil zum Abtransport des produzierten Stroms Schäden eintreten. Dies kann zu Schnellabschaltungen der Turbinen führen. Durch Öffnen der Haupt- und Nebenwehre wird das Wasser in den alten Aarelauf umgeleitet um ein Überlaufen des Oberwasserkanals zu verhindern.

Die NOK messen dem Schutz von Wanderern, Fischern und Erholungssuchenden einen hohen Stellenwert zu. Fallen die Erfahrungen mit dieser Pionieranlage positiv aus, dürfte das System auch in anderen Gewässerabschnitten auf der Basis einer eingehenden Gefahrenanalyse zum Einsatz kommen. Im Schosse des VSE wird derzeit ein Konzept zur Risikominderung von Schwallwasserereignissen für alle Speicher- und Flusskraftwerke in der Schweiz entwickelt, das im kommenden Herbst vorgestellt werden dürfte.


Axpo Holding AG
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